Blueprint Happiness

Blueprint Happiness - Glück verstehen und ermöglichen

Kurzbeschreibung

Dieser Baustein verbindet persönliche Reflexion, psychologische Glücksforschung und gesellschaftliche Strukturen zu einer gemeinsamen Frage: Was ermöglicht ein gutes Leben – und welche Rolle spielt Technik dabei?
Durch interaktive Übungen, Diskussionen und internationale Daten gewinnen die Teilnehmenden ein Verständnis davon, wie individuelles Glück mit technischen Systemen und politischen Rahmenbedingungen verknüpft ist.

Thema
Glück, Technik und Gesellschaft – Wie individuelles Wohlbefinden und gesellschaftliche Strukturen miteinander verbunden sind und welchen Einfluss technische Systeme auf ein „gutes Leben“ haben.

Schlagwörter
Glück, Wohlbefinden, Technikfolgen, Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Glücksforschung, World Happiness Report, Happy Planet Index, soziale Beziehungen, Verantwortung, Ingenieur*innenethik

Typ
analog

Dauer
75 Minuten

Gruppengröße
8 – 40

Raum
Seminarraum mit beweglichen Tischen und Stühlen

Lernziele

  • Reflexion eigener Glücksquellen im Alltag und im Leben
  • Analysieren technischer und gesellschaftlicher Einflüsse auf individuelles Wohlbefinden
  • Erkennen, wie Glück gesellschaftlich gemessen wird (WHR, HPI)
  • Erkennen, welche Verantwortung Ingenieur*innen für ein „gutes Leben“ tragen

Kompetenzen

  • Perspektivübernahme
  • Antizipation
  • Umgang mit unvollständigen und überkomplexen Informationen
  • Motivation
  • Reflexion auf Leitbilder
  • eigenständiges Handeln
  • Unterstützung anderer

Lernformen
kreativ, kooperativ

Methoden

  • Atem- / Wahrnehmungsübung
  • Einzelreflexion
  • Kleingruppenarbeit
  • Karten- oder Tafelclustern
  • Blitzumfrage
  • Plenumsdiskussion

Material
Moderationskarten / Papier und Stifte für alle, Whiteboard / Tafel, Karten mit Länderdaten (für Matching-Spiel), Beamer inkl. HDMI-Kabel

Vorbereitung

Vorbereitung der Moderation

Die Moderation macht sich mit folgenden Themen vertraut:

1. Grundgedanke von Glück

Viele Studien zeigen, dass Glück vor allem aus drei stabilen Quellen entsteht:

  • Beziehungen und soziale Verbundenheit
  • Sinn und Autonomie, also das Gefühl, selbstwirksam handeln zu können
  • Sicherheit und Gesundheit, sowohl körperlich als auch psychisch

Diese Erkenntnisse reichen vollkommen, um die anschließenden Diskussionen einordnen zu können. Begriffe wie „Hedonic Adaptation“ können erwähnt werden, müssen aber nicht ausgeführt werden: Gemeint ist lediglich, dass konsumgetriebene Glücksquellen schnell verpuffen und strukturelle Faktoren nachhaltiger wirken.

Auch religiöse oder spirituelle Praktiken – z. B. im Zen-Buddhismus – können Glück fördern, weil sie Ruhe, Gemeinschaft und einen Sinnhintergrund anbieten. Es geht dabei nicht um Glaubensinhalte, sondern um Funktionen wie Gelassenheit, Rituale oder Zugehörigkeit.

2. Indizes

  • World Happiness Report (WHR):
    Ein internationales Ranking, das auf Befragungen zur Lebenszufriedenheit basiert und diese mit Faktoren wie Einkommen, Freiheit, sozialer Unterstützung, Vertrauen und Gesundheit verknüpft.
    Quelle: https://worldhappiness.report/

  • Happy Planet Index (HPI):
    Misst, wie effizient Glück produziert wird – also Glückserleben × Lebenserwartung im Verhältnis zum ökologischen Fußabdruck.
    Quelle: https://happyplanetindex.org/

Weitere nützliche Indizes, die erwähnt, aber nicht vertieft werden müssen:

Die Moderation braucht diese Quellen nicht im Detail zu kennen – sie dienen eher dazu, Sicherheit zu geben und Interessierten im Seminar eine Vertiefung zu ermöglichen.

3. Technikeinflüsse

Wichtig ist, dass Technik positive, negative und ambivalente Effekte haben kann.

Beispiele - Glücksfördernd:

  • Medizintechnik, die Leben rettet oder erleichtert
  • Mobilitätslösungen, die Sicherheit erhöhen,
  • Haushaltsgeräte, die Zeit schenken,
  • Kommunikationstechnik, die Verbundenheit stärkt.

Beispiele - Glücksmindernd:

  • Überwachungstechniken, digitale Dauerablenkung oder -verfügbarkeit,
  • Arbeitsverdichtung durch Automatisierung
  • isolierende Nutzungsmuster

Die Moderation muss diese Beispiele nicht vortragen – sie dienen nur zur Orientierung.

Es bietet sich an eine PowerPoint mit den wichtigsten Arbeitsanweisungen und Diskussionsfragen, Links und Graphiken vorzubereiten.

Vorbereitung im Raum

Der Raum sollte zunächst offen und einladend wirken:

  • Stühle in einem Halbkreis oder in lockerer Sitzordnung für die gemeinsame Anfangsphase
  • Zu Beginn NOCH keine festen Gruppentische – diese werden im Verlauf des Bausteins gebildet
  • Tische dürfen vorhanden sein, sollten aber nicht als „Arbeitsinseln“ wirken
  • Moderationsmaterial (Papier, Stifte, Karten) an einer gut sichtbaren Stelle bereitstellen
  • Beamer für die späteren Diagramme vorbereiten
  • Tafel oder Whiteboard freiräumen, um positive/negative Technologieeinflüsse zu sammeln

Ablaufplan

00. Minute - Ankommen, Begrüßung und Atemübung

Die Teilnehmenden nehmen Platz, wie sie möchten.
Die Moderation begrüßt die Teilnehmenden und stellt sich vor.
Sie bittet die Teilnehmenden, sich bequem hinzusetzen und sich einen Moment lang Zeit zu nehmen um anzukommen und die Gedanken, welche sie aus dem Alltag mitgebracht haben ausklingen zu lassen. Dafür können die Augen geschlossen werden. Nachdem alle zur Ruhe gekommen sind, bittet sie die Teilnehmenden, fünf Mal langsam zu atmen und ihren Körper zu entspannen und danach wieder die Augen zu öffnen.

Danach bilden die Teilnehmenden durch Abzählen Kleingruppen und richten sich einen Gruppentisch ein ( Yay! Teambuilding - macht glücklich :wink: ).

05. Minute - Mini Reflexion: Was macht uns glücklich?

Trotz der frisch gebildeten Gruppen reflektieren die Teilnehmenden zunächst für sich alleine (ca. 4 min) folgende Fragen und machen sich stichpunktartig Notizen:

  • Was macht mich im Alltag glücklich?
  • Was macht Menschen im Allgemeinen glücklich?

Im Anschluss tauschen sie sich in den Gruppen (ca. 8 min) über ihre Überlegungen aus und überlegen sich ein Beispiel, welches sie in der Gruppe teilen möchten.
Ziel dabei ist nicht, intime Details zu nennen, sondern Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar zu machen.

17. Minute - Rahmenimpuls

Die Moderation ordnet folgende Informationen knapp ein:

In vielen Studien zeigt sich, dass Glück immer wieder mit ähnlichen Faktoren verbunden ist: soziale Beziehungen, das Gefühl von Sinn und Selbstwirksamkeit und eine grundlegende Sicherheit. Dinge wie Konsum oder Status wirken oft kurzfristig, während stabile Strukturen nachhaltiger sind. Auch spirituelle oder religiöse Praktiken können Menschen durch Gemeinschaft und Rituale unterstützen.

Vor diesem Hintergrund wollen wir uns nun anschauen, welche Rolle Technik in unserem Glück spielt.

20. Minute - Gruppenarbeit: Technik und Glück

Die Moderation teilt die Tafel (am besten bereits während der vorherigen Phase) in zwei Hälften ein:

  • glückfördernde Technik
  • glückmindernde Technik

Mittig oben stehen die Kategorien: Kommunikation, Mobilität, Wohnen, Arbeit/Lernen, Gesundheit, Haushalt/Care.

Die Teilnehmer suchen nun in offener Runde nach Beispielen von Technik innerhalb der genannten (oder weiteren) Kategorien, welche entweder glückfördernd oder glückmindernd sind.

Im Anschluss diskutieren folgende Fragen:

  • Warum entstehen Technologien, die uns glücklich machen und warum solche die uns unglücklich machen?
  • Welche Bedürfnisse oder Probleme adressiert die jeweilige Technik?
  • Wer profitiert von ihr und wer könnte Nachteile haben?
  • Welche Technik unterstützt nachhaltiges Wohlbefinden und welche erzeugt eher kurzfristige Befriedigung?
  • Was wäre „gute Technik“ im Sinne menschlichen Wohlbefindens?

Abschließend werden die Ergebnisse kurz im Plenum gesammelt.

Die Moderation nutzt dies für die zentrale Erkenntnis:

Glück ist nicht nur individuell. Es hängt stark davon ab, wie unsere gesellschaftliche und technische Umwelt gestaltet ist, welchen Zugang wir zu Gemeinschaft, Sicherheit, Zeit, Natur und Teilhabe haben.
Pause zum Sacken lassen (wichtig!)!
Wenn Glück also so stark von Strukturen abhängt, stellt sich zwangsläufig die Frage: „Wie glücklich bin ich eigentlich und wie glücklich sind andere?“ Kurzum: „Wie glücklich sind ganze Gesellschaften?“

32. Minute - Indizes

Die Moderation stellt die Indizes World Happiness Report (WHR) und Happy Planet Index (HPI) vor.
Der WHR basiert auf der Frage: Wie zufrieden sind Menschen mit ihrem Leben?
Diese subjektiven Einschätzungen werden mit Daten zu Einkommen, Freiheit, sozialer Unterstützung, Vertrauen und Gesundheit kombiniert. So entsteht ein Ranking, das viel über gesellschaftliche Rahmenbedingungen sagt.
Der HPI setzt das Glück und die Lebenserwartung eines Landes in Beziehung zu seinem ökologischen Fußabdruck und zeigt so, wie effizient Glück erzeugt wird – also mit wie viel oder wie wenig Ressourcen.

Es kann eine kurze mündliche Umfrage mit den Teilnehmern nach Muster der genannten Indizes gemacht werden. Die Einordnung der Ergebnisse erfolgt im folgenden Spiel.

Weitere Indizes können kurz erwähnt werden.

40. Minute - Kartenspiel „Glück & Gesellschaft“

Im Kartenspiel „Glück & Gesellschaft“ wird die Perspektive von der Einzelfrage „Wie glücklich bin ich?“ auf ganze Gesellschaften erweitert. Dazu erhalten die Kleingruppen ein Set aus Karten mit Ländern, Strukturmerkmalen (z.B. Vertrauen, Ungleichheit, Ressourcenverbrauch) und Thesen zum Zusammenhang von Glück und Gesellschaft.

Die Moderation erklärt:
„Wir haben in den letzten Phasen gesehen, dass Glück stark mit Strukturen und Technik verknüpft ist. Jetzt wollen wir uns anschauen, wie sich das auf der Ebene ganzer Länder zeigt. Dafür bekommt ihr Karten, die ihr frei kombinieren und diskutieren könnt. Es gibt keine richtigen oder falschen Lösungen – es geht darum, Muster zu entdecken und Hypothesen zu prüfen.“

Jede Gruppe erhält ein vollständiges Kartenset. Die Karten bestehen aus:

  • Länder-Karten (z.B. Finnland, Deutschland, USA, Japan, Costa Rica, Brasilien, Südafrika, Indien)
  • Faktoren-Karten, die gesellschaftliche Rahmenbedingungen andeuten (z.B. hohe/geringe Lebenszufriedenheit, hohes/geringes BIP, hoher/niedriger ökologischer Fußabdruck, viel/wenig Vertrauen in Institutionen, hohe/geringe Ungleichheit, gute/unzureichende Gesundheitsversorgung, lange/kurze Arbeitszeiten, hohe/geringe politische Stabilität, hohe/niedrige Kriminalität)
  • Thesen-Karten mit zugespitzten Aussagen (z.B. „Wohlstand macht glücklich.“, „Gleichheit ist wichtiger als Wohlstand.“, „Vertrauen ist wichtiger als Geld.“, „Gemeinschaft macht glücklicher als Konsum.“, „Technik steigert Lebensqualität.“, „Technik zerstört Lebensqualität.“, „Nachhaltigkeit ist Luxus.“, „Nachhaltigkeit ist Voraussetzung für Glück.“)

Die Aufgabe für die Gruppen lautet:

  1. Legt zuerst Karten-Kombinationen, die für euch intuitiv zusammenpassen (z.B. ein Land mit passenden Faktoren).
  2. Ordnet danach einzelne Thesen-Karten zu – welche Aussagen scheinen eure Kombinationen zu stützen, welche eher nicht?
  3. Diskutiert in der Gruppe:
  • Welche Muster erkennt ihr?
  • Welche Länder überraschen euch – positiv oder negativ?
  • Welche Faktoren tauchen immer wieder bei „glücklichen“ Gesellschaften auf?
  • Wo scheinen Technik, Politik oder Umweltverbrauch eine zentrale Rolle zu spielen?

Nach etwa 12–15 Minuten wird im Plenum kurz gesammelt, welche Karten-Kombinationen besonders spannend oder kontrovers waren. Die Moderation hebt zentrale Beobachtungen hervor (z.B. die Rolle von Vertrauen, Ungleichheit, Ressourcenverbrauch oder politischer Stabilität) und knüpft daran die Frage:
„Was sagt uns das darüber, welche Strukturen wir als Gesellschaft – und welche Technik wir als Ingenieur*innen – fördern wollen?“

60. Minute – Rückschau im Plenum

Die Moderation bittet um eine kurze Rückschau in zwei Dimensionen:

  • Persönlich: Was nehme ich für mein eigenes Wohlbefinden mit?
  • Gesellschaftlich/Technisch: Welche Art von Technik oder Struktur könnte das Glück von Menschen stärken und welche Verantwortung trägt technische Gestaltung dafür?

Die Runde kann zu einem offenen Austausch bis zum Schluss angeregt werden.

70. Minute - Abschluss

Die Moderation bedankt sich für die Teilnahme und bietet eine freiwillige Hausaufgabe für das individuelle Glück an.
Für diese können die Teilnehmenden ein Dankbarkeits-Tagebuch führen, in welchem sie (z.B. für drei Tage dieser Woche) jeweils fünf Dinge aufschreiben, für die sie aufrichtig dankbar sind. Diese Übung ist nicht nur eine persönliche Bereicherung, die Erfahrungen mit dieser Challenge können außerdem hervorragend im Lernjournal protokolliert werden.

Anschließend wird erneut die Atemübung vom Anfang durchgeführt und die Moderation holt mit einer geeigneten Methode Feedback zum Baustein ein.

Hinweise und Anmerkungen

Von den Verfasser_innen

Der Baustein weicht stark vom Original ab und konzentriert sich, nachdem er zuvor vermehrt auf individuelles Glück fokussiert war, nun vermehrt auf gesellschaftliche Strukturen.

Nach weiteren Durchführungen

Während des Bausteins kam die Frage auf, von welcher Organisation der World Happiness Report stammt. Da auch die Förderer neben der Quelle und der angewandten Methodik ein wichtiger Bestandteil zur Bewertung eines wissenschaftlichen Reports sind, wäre es für kommende Gruppen unter Umständen sinnvoll, auch die Fördernden des WHR in die Folien von Glück und Gesellschaft aufzunehmen

Literaturhinweise und Quellen

Glücksindices & internationale Vergleiche

Psychologie des Glücks

Technik, Digitalisierung & Wohlbefinden

Nachhaltigkeit, Lebensstil & Wohlbefinden

Buddhismus, Achtsamkeit & spirituelle Glückskonzepte

Alternative Glückskonzepte (Bhutan, Buen Vivir, Ubuntu)

Arbeitsmaterialien zum Ausdrucken

Spielkarten - Glück und Gesellschaft.pdf (405,5 KB)