Gekaufte Zukunft?

Gekaufte Zukunft? – Lobbyismus, Korruption & Nachhaltigkeit in Deutschland

Kurzbeschreibung

  1. Die Teilnehmenden sollen ein grobes Verständnis von der Funktionalität von Lobbyismus, insbesondere im legalen Rahmen entwickeln. Zusätzlich sollen sie verstehen, welche Einflüsse Lobbyismus in Bezug auf Nachhaltigkeit hat. Es soll deutlich werden, dass der Übergang von Lobbyismus zu Korruption oftmals fließend ist und verdächtige Fälle daher gründliche Recherche erfordern.
    Darüber hinaus entwickeln die Teilnehmenden idealerweise ein grundlegendes Verständnis von potentiell problematischem Lobbyismus und können diesen im Alltag erkennen.

  2. Der Baustein umfasst grundlegende Strukturen und Abläufe des Lobbyismus in Deutschland. Außerdem werden positive und negative Auswirkungen, auch im internationalen Rahmen, beleuchtet. Dies geschieht stets in Bezug auf Nachhaltigkeit, wobei nicht nur der ökologische Aspekt, sondern auch Themengebiete wie Sicherheit, Gesundheit und Wirtschaft betrachtet werden. Somit wird individuell aufgezeigt, welche persönliche Relevanz zu den behandelten Sachverhalten besteht. Des Weiteren wird innerhalb des Bausteins der Zusammenhang zwischen Lobbyismus und Korruption, insbesondere unter Einbezug von charakteristischen Anzeichen dafür, differenziert ausgearbeitet.

  3. Im Rahmen des Bausteins wird eine vielfältige Methodik angewandt, um die Lerninhalte didaktisch zielgerichtet zu vermitteln.
    Mit einem Teaser wird das Thema ohne vorherige Erklärung durch eine kurze Anekdote eingeleitet, um das Interesse der Teilnehmenden zu wecken, ein kurzes Video erklärt anschließend anschaulich die Grundlagen von Lobbyismus. Die Auseinandersetzung mit thematisch diversen Fallbeispielen in Gruppen illustriert die weitreichende Ausprägung und die Greifbarkeit der zuvor behandelten Inhalte. Dies wird innerhalb einer Plenumsdiskussion weiterführend verdeutlicht. Zudem erfolgt eine nuancierte Behandlung der Themen durch den gemeinsamen Austausch. Anhand eines Rollenspiels in Form einer simulierten Auktion findet ein Perspektivwechsel seitens der Teilnehmenden statt. Durch die anregende Gestaltung wird die Teilnahmebereitschaft erhöht und ein Verständnis für mögliche Motive der Akteur:innen ausgeprägt.
    Beim Meinungsbarometer ordnen sich die Teilnehmenden anhand ihrer eigenen Meinung auf einer Skala ein, welche sich auf ein vorher gesetztes Statement bezieht. Das erfordert persönliche Reflexion, wobei die Teilnahme einfach bleibt. Das Meinungsbarometer kreiert ein Stimmungsbild innerhalb des Seminars und zeigt mögliche Ausprägungen und bietet somit eine gute Grundlage für weiteren Diskurs. Das Zusammentragen von Warnhinweisen, welche als “Red Flags” ausformuliert werden, macht darauf aufmerksam, wann ein Sachverhalt genauer untersucht werden muss. Die Teilnehmenden entwickeln dadurch eine kritische Perspektive, welche sie über den Baustein hinaus zur Bewertung zukünftiger Zusammenhänge anwenden können.

Thema
Korruption in Deutschland - Wie wird Nachhaltigkeit durch Lobbyismus beeinflusst?

Schlagwörter
Lobbyismus, Korruption, Nachhaltigkeit, politische Einflussnahme, Macht

Typ
analog

Dauer
75 min

Gruppengröße
optimal 12 Personen, min. 9 Personen, max. 18 Personen

Raum
Seminarraum mit beweglichen Tischen und Stühlen

Lernziele

  • Verständnis über Funktionalität von Lobbyismus
  • eigenständige Einordnung von potentiell problematischem Lobbyismus
  • Erkenntnis vom oftmals fließenden Übergang von Lobbyismus zu Korruption

Kompetenzen

  • Perspektivübernahme
  • Umgang mit unvollständigen und überkomplexen Informationen
  • Kooperation
  • Partizipation
  • Motivation
  • Reflexion auf Leitbilder
  • Moralisches Handeln
  • Eigenständiges Handeln
  • Unterstützung anderer

Lernformen

  • kooperativ
  • systemorientiert

Methoden
Lernvideo, Fallbeispiele, Plenumsdiskussion, Rollenspiel (Auktion), Meinungsbarometer, Brainstorming (red flags), “beenden des Satzes”, reflektierende Beobachtung, Fünf-Finger-Feedback

Material

  • Beamer mit Audiofunktion
  • mobile Endgeräte der Teilnehmenden
  • gevierteltes rotes A4 Papier (mind. 2 A4 Blätter also 8 geviertelte Papiere)
  • weißes A4 Papier (mind. 4 Blätter für jede Gruppe des Fallbeispiels)
  • Kreppband
  • Stifte
  • ausgedruckte Blätter für das Rollenspiel der Auktion

Vorbereitung

Vorbereitung der Moderation

Die Moderation setzt sich mit den Definitionen von Lobbyismus und Korruption auseinander und verschafft sich einen Überblick, welche Rolle diese Begriffe in verschiedenen Bereichen wie Klima, Sicherheit, Gesundheit und Wirtschaft spielen. Unterstützend können die unten aufgeführten Quellen verwendet werden. Entscheidend für den gelungenen Einstieg in das Thema ist ein möglichst aktuelles Teaserbeispiel, das von der Moderation ggf. zusammengestellt wird.
Für die Durchführung des Bausteins wird eine Präsentation vorbereitet. Die Moderation bereitet die notwendigen Materialien vor und bildet gemeinsam mit dem Plenum vor Beginn einen ovalen Stuhlkreis vor der Tafel, hinter den sechs Tische für die spätere Auktion gestellt werden.

Ablaufplan

00. Minute - Begrüßung und Teaser

Die Moderation begrüßt die Teilnehmenden. Die Moderation führt das Thema des kritischen Lobbyismus mit Hilfe des Fallbeispiels zum Fall Philipp Amthor und Augustus Intelligence Inc. ein.

Die Moderation informiert sich vorher zum Fall
Philipp Amthor, der “geile Typ” und Augustus Intelligence:

  • 02.10.2018 - dreiseitiges Schreiben geht beim damaligen Wirtschaftsminister und Parteifreund, Peter Altmaier, ein
  • Inhalt: Vorstellung von “Augustus Intelligence” US-Startup, das sich mit KI beschäftigt
  • Investitionsvorschlag, Erklärung der Relevanz für Deutschland und über Sorge Anlage: Überblickspapier und Businessplan von Augustus
  • Verabschiedung: Dein Philipp Amthor
  • Wird dafür bei Augustus als “geiler Typ” gefeiert
  • später Aktienoptionen, Direktorenposten

Alternativ kann auch ein anderes, passendes Beispiel verwendet werden.
Es sollte deutlich werden, dass es zwischen Lobbyismus und Korruption keine ganz
eindeutige Grenze gibt.

03. Minute - Definition Lobbyismus & Korruption

Damit im Folgenden alle Teilnehmenden die gleiche Grundlage haben, definiert die Moderation zunächst den Begriff Lobbyismus. Dies erfolgt im Idealfall durch ein kurzes Erklärvideo. Im Anschluss fasst die Moderation die wichtigsten Punkte kurz zusammen und fragt die Teilnehmenden nach ihrer Definition zu Korruption. Auch hier fasst die Moderation die wichtigsten Punkte zusammen und ergänzt gegebenenfalls.

  • Die Zusammenfassung kann zum Beispiel als tabellarische Übersicht dargestellt werden

13. Minute - Fallbeispiele Lobbyismus

Die Teilnehmenden bilden 4 Gruppen. Jede Gruppe behandelt eines der 4 Fallbeispiele.
Dabei orientieren sie sich an folgenden Aufgaben:

  • Text lesen
  • Fallbeispiel zusammenfassen
  • Mithilfe des “Lobbyismus Spickers” die Form(en) der Einflussnahme identifizieren
  • Was sind die Auswirkungen? Wer ist betroffen? Wer profitiert?
  • Einflussbereich benennen

Die Teilnehmenden bereiten sich darauf vor, ihr Fallbeispiel im Plenum zu präsentieren und präsentieren dann jeweils ca 1 Minute

  • Am Besten ist je eine Person der Moderation “Expert*in” für jeweils ein Beispiel und kann die jeweilige Gruppe unterstützen und gegebenenfalls Fragen klären

29. Minute - Plenumsdiskussion

Die Teilnehmenden diskutieren über folgende Fragen:

  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Fallbeispielen stellt ihr fest?
  • Wer trägt Verantwortung?
  • Empfindet ihr die Fallbeispiele als korrupt?
  • Habt ihr eigene Beispiele für eine Form der Einflussnahme?

40. Minute - Auktion

Um Lobbyismus greifbarer zu machen, bereitet die Moderation eine Live-Auktion vor, in der die Teilnehmenden in drei möglichst gleich große Gruppen eingeteilt werden. Jede Gruppe repräsentiert ein Unternehmen aus einer bestimmten Branche (z.B. nachhaltige Technologien, Rüstung, Bau/Immobilien) und hat dementsprechend andere Interessen. Jede’r Politiker’in vertritt verschiedene Interessen die mehr zu diesem oder jenem Unternehmen passen. Wenn sie gekauft werden, bringen sie je nach Unternehmen unterschiedlich viele Einflusspunkte (z.B. vier grüne Punkte für Energie bedeuten einen perfekten Fit für das nachhaltige Tech-Unternehmen). Ziel ist es also für jedes Unternehmen, diejenigen Politiker’innen zu kaufen, die die eigenen Interessen vertreten und somit möglichst viele Einflusspunkte zu sammeln. Die Gruppen haben unterschiedliche Budgets, es wird empfohlen zwei Unternehmen mit gleichem Budget und eins mit größeren Mitteln auszustatten. Alle Politiker’innen haben ein Mindestgebot.
Es werden sechs Tische benötigt, jeder Gruppe werden zwei Tische zugeordnet. Die Teilnehmenden legen je zwei Buchhalter’innen fest, welche das Budget des Unternehmens überblicken und eine’n Bietende’n, welche’r die Gebote abgibt.
Die Auktionsleitung stellt die zu erwerbenden Politiker’innen jeweils kurz vor und eröffnet die Auktion. Die höchstbietende Gruppe erhält schließlich die Auktionskarte mit dem notierten Verkaufspreis. Am Ende der Auktion wird der Gewinner auf Basis der gesammelten Einflusspunkte bekannt gegeben.

51. Minute - Sind die Auswirkungen von Lobbyismus immer negativ?

Um deutlich zu machen, dass Lobbyismus nicht nur schlecht ist, stellt die Moderation auch ein positives Lobbyismusbeispiel vor.

German Zero:

  • Engagiert sich für Klimaneutralität
  • 45 Städte mit Beschluss zur Klimaneutralität bis 2035
  • 1,5 Grad-Gesetzespaket für alle Sektoren an 500 Bundestagsmitglieder
  • Mehr als 500 Gespräche mit Abgeordneten
  • In über 50% der Wahlkreise aktiv
  • 4 Ministerien bitten um Stellungnahme zu Gesetzesentwürfen

Alternativ kann auch ein anderes Beispiel ausgewählt werden.
Die Teilnehmenden können über folgende Fragen diskutieren:

  • Ist Lobbyismus immer schlecht?
  • Brauchen Politik und Gesellschaft Lobbyismus?

62. Minute - Red flags

Moderation und Teilnehmende tragen “Red Flags” zusammen, an denen man kritischen Lobbyismus erkennen kann. Die Moderation verteilt die geviertelten roten Blätter an die Teilnehmenden. Die Teilnehmenden schreiben ihre “Red Flags” auf und heften diese dann an die Tafel. Gegebenenfalls kann kurz über die Aspekte diskutiert werden. Die Moderation macht sich vorher selbst Gedanken zu Red Flags und ergänzt gegebenenfalls wichtige Punkte.

Mögliche Aspekte wären:

  • vorherige Bekanntschaft
  • 9.999€ → Ab 10.000€ muss es offengelegt werden, s. Spicker
  • nicht im Lobbyregister (obwohl das Lobbyregister nicht ausschließt, dass sie korrupt sind)
  • fehlende Transparenz
  • informelle Treffen
  • einseitige Beratung
  • Parteispenden
  • Nebeneinkünfte
  • von der Industrie finanzierte Studien (nicht unabhängig)
  • fake Institute (BdSt)
  • Marketing?

73. Minute - Zukunftsaussicht

Um zu zeigen, dass es bereits Maßnahmen gegen negative Lobbyarbeit gibt, stellt die Moderation einige Ansätze vor. Diese sollen zeigen, wie man Lobbyismus in Deutschland transparenter machen kann. Dadurch werden den Studierenden hilfreiche Tools vermittelt, um in Einzelfällen die Sachlage zu prüfen. Als Beispiele können das Lobbyregister, Transparency International und Abgeordentenwatch verwendet werden. Hier kann aber auch ergänzt werden, falls sich andere Initiativen finden lassen.

77. Minute - Abschluss, Nachbereitung und Feedback

Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit zur Reflexion des Bausteins. Dies erfolgt mit dem beenden folgender Sätze:

  • Was mir von dem Baustein am meisten im Gedächtnis geblieben ist …
  • Durch den Baustein habe ich zum ersten Mal gelernt, dass …
  • Während des Bausteins habe ich mich insgeheim gefragt, …
  • Nach dem Baustein hat sich meine Meinung zu folgendem geändert: …
  • Nach dem Baustein ist mir aufgefallen, dass mich folgende Aspekte der Lobbyarbeit beunruhigt / positiv gestimmt haben: …

Die Moderation hält während des Bausteins die Eindrücke, Erkenntnisse und Meinungen der Teilnehmenden fest. Dies dient der Zusammenfassung der wichtigsten Informationen und dem Beenden des thematischen Inhalts des Bausteins. Gegebenenfalls kann hier auch noch einmal über die Erkenntnisse gesprochen werden, wenn sie nicht verständlich sind.

Anschließend bittet die Moderation mithilfe der 5-Finger-Methode um Feedback:

  • Daumen: Das war super!
  • Zeigefinger: Das könnte besser gemacht werden.
  • Mittelfinger: Das hat mir nicht gefallen!
  • Ringfinger: Das nehme ich mit.
  • Kleiner Finger: Das kam zu kurz!

Die Anregung für das Lernjournal ist für alle ersichtlich an die Wand projiziert:

  • Wo hört Interessenvertretung auf und wo beginnt Korruption?
  • Wer hat mehr Einfluss auf Gesetze – Wähler oder Lobbyisten?
  • Steht Lobbyismus dem Erreichen von Nachhaltigkeitszielen im Weg

Anmerkungen und Hinweise

Von den Verfasser_innen

Zeitplan optimieren (Auktion zeitlich begrenzen, pro Politiker*in 1 min,
Mindesterhöhung von Geboten 200.000€ )

Als Hilfestellung, die ursprünglich im Baustein genutzten Slides.

Nach weiteren Durchführungen

Noch ausstehend

Literaturhinweise und Quellen

Quellen zum Teaser (Augustus Intelligence & Philipp Amthor)

Quellen zu den Definitionen

Ausführliche Informationen Lobbyismus

Quelle verwendetes Video

Quellen weitere Videos

Quellen Germanzero

Quellen geeigneter Webseiten für den Teil der Zukunftsaussicht

Quellen zu den Fallbeispielen:

Quellen zum Fallbeispiel Gesundheit

Quellen zum BdSt

Bildquellen

Quellen zum Fallbeispiel Sicherheit (Berateraffäre)

Bildquellen

Quellen zum Fallbeispiel CO2-Grenzwerte

Bildquellen

  • BMW-Logo
    (zuletzt abgerufen am 19. Juli 2025)

Arbeitsmaterialien zum Ausdrucken

Fallbeispiele (Bereitstellung als pdf ausreichend):

bpb “Lobbyismus Spicker” (443,4 KB)

Rollenspiel Auktion: