Fleisch aus der Petrischale - Warum denn nicht?
Kurzbeschreibung
In diesem Baustein setzen sich die Teilnehmenden mit Fleisch aus der Petrischale auseinander. Sie diskutieren die Vorteile und Nachteile im Gegensatz zum herkömmlichen Fleischkonsum und analysieren verschiedene Aspekte des Petrischalen Fleisch. Ziel ist es, das Fleisch aus der Petrischale für sich persönlich einzustufen.
Die Teilnehmenden rufen in einem ersten Impuls ihr Vorwissen ab und werden mithilfe eines bildlichen Vergleiches von „echtem“ Fleisch und Fleisch aus der Petrischale für das aktuelle Thema mobilisiert. Sie erhalten eine Vorstellung von dem Herstellungsprozess, mit dem Petrischalen Fleisch produziert wird. Der Baustein soll helfen, sich vorzustellen, inwiefern In-vitro-Fleisch in der Zukunft marktfähig sein könnte und ob das überhaupt wünschenswert ist. Dafür werden sich nicht nur die ethischen und ökologischen Aspekte angeschaut, sondern auch die Fleischindustrie, Wirtschaft und mögliche In-vitro Fleischindustrie.
In diesem Baustein wird das Thema aus einer Mischung von Informationsinput und Diskussionen in verschiedenen Gruppenkonstellationen erarbeitet. Die Analysen und Informationen aus dem Baustein werden in einer letzten Fishbowl-Diskussion besprochen. Bei diesem kontroversen Thema ist eine kleinere Gruppengröße sehr hilfreich und hilft, eine konstruktive Diskussion über die verschiedenen Aspekte des In-vitro-Fleisch zu führen.
Thema
Ist Fleisch aus der Petrischale eine gute Alternative zu herkömmlichem Fleisch und wie wird es hergestellt?
Schlagwörter
In-vitro-Fleisch, Labor, Ethik, Tierleid, Ökologisch, Ökonomie
Typ
analog
Dauer
75 Minuten
Gruppengröße
12 - 24
Raum
Seminarraum mit beweglichen Tischen und Stühlen mit Platz für einen großen Stuhlkreis und weißer Wand / Leinwand für Beamer
Lernziele
- Verständnis von Produktion und technologie des In-vitro-Fleischs
- Ausarbeitung fremder und eigener Argumente zu verschiedenen Aspekten von In-vitro-Fleisch
- Meinungsbildung zum aktuellen Fleischkonsum und dem Thema In-vitro-Fleisch
Kompetenzen
- Perspektivübernahme
- Disziplinübergreifende Erkenntnisgewinnung
- Umgang mit unvollständigen und über komplexen Informationen
- Kooperation
- Bewältigung individueller Entscheidungsdilemmata
- Partizipation
- Reflexion auf Leitbilder Moralisches Handeln
Lernformen
kooperativ, faktenorientiert
Methoden
Impulsumfrage, Bildervergleich, freie Präsentation, Erarbeitung von Texten in
Kleingruppenarbeit, Fishbowl-Diskussion
Material
Laptop inkl. HDMI Kabel, Beamer, Internetverbindung
Vorbereitung
Vorbereitung der Moderation
Die Moderation erarbeitet sich, wie der Herstellungsprozess von Fleisch aus der Petrischale funktioniert und wie sich die Forschung in den letzten Jahren verändert hat. Auch ein Blick in die Zukunft von In-vitro Fleisch ist sinnvoll. Zudem sollte sich die ganze Gruppe gründlich mit dem Inhalt der Texte für die Gruppenarbeit/Diskussion befassen. Zur Vorbereitung eignet sich dieses Video und das Lesen der angefügten Quellen. Die Quellen müssen gegebenenfalls aktualisiert werden. Auch das Recherchieren von einem neuen Forschungsstand ist sinnvoll, da sich die Forschung stetig weiterentwickelt.
Vorbereitung des Materials
- Erstellt auf Mentimeter eine Begriff-Map zu der Frage: Was sind die ersten Begriffe, die euch zum Thema Fleisch aus der Petrischale einfallen? ( Tool für interaktive Präsentationen & Publikumsbeteiligung - Mentimeter )
- Präsentationsfolien vorbereiten
- Informationen der Arbeitsblätter gegebenenfalls aktualisieren (Möglicherweise gibt es neue Forschungsergebnisse/ Statistiken)
- Die Arbeitsblätter (aus dem Anhang) für die jeweiligen Gruppen drucken (ca. 1-2 Kopien pro Gruppe) oder digital zugänglich machen
Vorbereitung im Raum
Zu Beginn müssen 4 Tische mit je ca. 5 Stühlen (abhängig von der gesamten Gruppengröße) aufgebaut werden. Alle Teilnehmenden sollen die Leinwand gut sehen können.
Ablaufplan
00. Minute - Begrüßung und Einstiegsfrage
Die Aktivität beginnt mit dem Zeigen zweier Bilder von In-vitro-Fleisch. Anhand dieser Bilder werden die Teilnehmenden gefragt, welches der beiden aus der Petrischale stammt. Dies kann entweder durch eine Abstimmung oder durch Wortmeldungen erfolgen. Nachdem die Teilnehmenden ihre Einschätzungen abgegeben haben, folgt die Auflösung: Beide Bilder zeigen Fleisch aus der Petrischale. So sollen bereits am Anfang Vorurteile hinterfragt und eine Diskussion über die Zukunft von Laborfleisch und nachhaltige Ernährung angeregt werden.
5. Minute - Warmup
Auf Mentimeter eine Begriff-Map erstellen zu der Frage:
“Was sind die ersten Begriffe, die euch zum Thema Fleisch aus der Petrischale einfallen?”
Nach ca. 3 Minuten sollen die Teilnehmer*innen erklären, was ihre ersten Ideen sind. Zur Anregung kann zudem gefragt werden: “Wer kann sich vorstellen, Fleisch aus der Petrischale zu essen?"
10. Minute – Ablaufplan vorstellen
- allgemeine Informationen und wie Fleisch aus der Petrischale hergestellt wird
- Gruppenphase
- Diskussion
- Abschluss
- Feedback
15. Minute – Bildungsimput: Herstellung von In-vitro-Fleisch
In den Quellen wird der Herstellungsprozess mehrfach erklärt, mithilfe dieses Wissens und einer geeigneten Grafik kann der Herstellungsprozess von dem Fleisch aus der Petrischale einfach erklärt werden. Auch die Grundlagen zu dem Thema können in diesem Abschnitt erklärt werden. Unter anderem die Herkunft des Begriffs In-virto (lat. im Glas) und die Ursprünglichen Forschungs Beginne von kultiviertem Fleisch bei der Nasa in den 2000ern und die erste öffentliche Verkostung eines Burger aus In-vitro-Fleisch im Jahr 2013.
Zur Unterstützung können auch die Informationen in der Präsentation benutzt werden.
30. Minute – Gruppeneinteilung
Allen Teilnehmenden werden die verschiedenen Themen (In-Vitro Fleischproduzent,
Ethische und soziale Aspekte, Ökologische Aspekte, herkömmliche Fleischindustrie und wirtschaftliche Aspekte) vorgestellt und ordnen sich selbständig einem der 4 Themen zu(Gruppen sollten ca. gleich groß sein). Wenn die Gruppen zu groß sind, werden sie ggf. in zwei Untergruppen geteilt. Den Gruppen wird je eins der zuvor ausgedruckten Arbeitsblättern (aus dem Anhang) gegeben.
35. Minute - Gruppenphase
In der Gruppenphase bekommen die Teilnehmenden Zeit, um sich die dazugehörigen Texte durchzulesen und danach mit den Gruppenmitgliedern über die Texte zu sprechen und Unklarheiten zu beseitigen. Bei weiteren Fragen steht die Moderation zur Verfügung.
Die Moderation sollte am Anfang der Gruppenphase auf die Frage der Diskussion hinweisen: Soll In-virto-Fleisch in Deutschland eingeführt werden?
Zum Ende hin suchen sich die Gruppen einen Gruppenvertreter*In aus, der sie in der Diskussion repräsentiert.
50. Minute - Präsentation der Gruppenarbeit und Fishbowl-Diskussion
Die Teilnehmenden begeben sich in zwei Stuhlkreise. In der Mitte des größeren Stuhlkreises werden fünf Stühle aufgestellt. Jede der vier Gruppen erhält einen festen Stuhl in der Mitte. Auf diesen nehmen die jeweiligen Gruppenvertreter*In der Gruppen Platz. Der fünfte Stuhl bleibt zunächst frei.
Regeln für die Fishbowl-Diskussion:
- Es dürfen nur Personen auf den Stühlen in der Mitte sprechen
- Möchte jemand aus dem äußeren Kreis einen Beitrag leisten, setzt sich diese Person auf den freien fünften Stuhl in der Mitte. Die Vertreterin oder der Vertreter der eigenen Gruppe muss dann in den äußeren Kreis wechseln, sodass pro Gruppe immer nur eine Person in der Mitte vertreten ist
Ablauf:
- Jede Gruppe präsentiert nacheinander ihre Standpunkte. Die Moderation achtet darauf, dass die Präsentationen jeweils nicht länger als 1-2 Minuten dauern.
- Anschließend leitet die Moderation eine Diskussion ein, in der die bereits am Anfang gestellte Frage (Soll In-virto Fleisch in Deutschland eingeführt werden?) in die Gruppe gestellt wird. Danach können je nach Fluss und Richtung der Debatte weitere Fragen gestellt werden.
Unterstützung für die Moderation:
- Kann Laborfleisch wirklich ethisch sein, solange noch Kälberserum verwendet wird?
Oder ist das nur eine scheinbare Lösung? - Wer profitiert langfristig von Laborfleisch – die Umwelt, die Tiere oder große Unternehmen?
- Sehen wir uns in 50 Jahren in einer Welt, in der Fleisch fast nur noch im Labor produziert wird – oder wird sich die Technik gar nicht durchsetzen?
- Wie wichtig ist euch das Gefühl, „echtes“ Fleisch zu essen, auch wenn Laborfleisch geschmacklich identisch wäre?
- Würde ein günstiger Preis euch überzeugen, In-vitro-Fleisch zu kaufen – auch wenn ihr noch Zweifel daran habt?
- Gibt es bestimmte Bilder oder Gedanken, die euch direkt in den Kopf kommen, wenn ihr an Laborfleisch denkt – und beeinflusst das eure Haltung dazu?
80. Minute - Feedback und Abschluss
Die Moderation beendet die Diskussion und fragt zum Abschluss die bereits am Anfang gestellte Frage: “Wer kann sich vorstellen, Fleisch aus der Petrischale zu essen?" Die Gruppe geht in den Austausch, ob sich eine Meinung verändert hat. Holt danach von den Teilnehmenden Feedback zu dem Baustein ein und stellt die Anregung für das Lernjournal vor.
Anregungen fürs Lernjournal:
- Könntet ihr euch vorstellen, dass in der Zukunft die gesamte Fleischproduktion aus der Petrischale entstehen könnte?
- Welche anderen Alternativen könnte ihr euch zu In-Vitro-Fleisch vorstellen?
- Könnte In-vitro-Fleisch für Vegetarier eine Alternative sein?
Hinweise und Anmerkungen
Von den Verfasser_innen
Es ist wichtig in der Diskussion darauf zu achten, dass diese zielführend bleibt und nicht zu sehr vom Thema abkommt, da Fleischkonsum ein sehr umstrittenes Thema ist. Am besten überlegt sich die Moderation noch mehr Fragen, um die Diskussion ein bisschen mehr zu gliedern. Achtet bei der Gruppenarbeit außerdem auf die Zeit, wenn alle Gruppen weniger Zeit zum lesen der Texte brauchen, dann lohnt es sich, früher mit der Diskussion zu beginnen.
Nach weiteren Durchführungen
Der Baustein ist für ein altes Format mit 90 Minuten ausgelegt. Entsprechend muss er auf das aktuelle Format mit 75. Minuten angepasst werden.
Literaturhinweise und Quellen
- Tucek,Inka, In-Vitro-Lebensmittel: Eine nachhaltige Alternative? (online, Klimareporter.in)
- Kabisch, Jörn, 10.01.2018, Laborfleisch: Biologen zeigen ihre Muskeln (online, Heinrich Böll Stiftung)
- Grunow, Elena, Heider, Isabella, Richter, Johannes, Akdasli, Melissa, 17.01.2019, Laborfleisch, ein Retter für unser Klima? (online, Studierendenmagazin der Hochschule der Medien)
- Prof. Dr. Nick Lin-H, 02.2022, Kultiviertes Fleisch – eine Sprunginnovation für nachhaltige Entwicklung (online, Deutsche Welthungerhilfe)
- Dr. Christina Rempe,11.08.2023, Fleisch aus dem Labor (online, Bundeszentrum für Ernährung)
- Böhm, Inge; Ferrari, Arianna; Woll, Silvia, 10.2017, ,In-Vitro-Fleisch - Eine technische Vision zur Lösung der Probleme der heutigen Fleischproduktion und des Fleischkonsums?“ (online, Karlsruher Institut für Technologie)
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Versorgungsbilanzen - Fleisch (online)
- 23.08.2024, Clean Meat – ist Laborfleisch die Zukunft? (online, Verbrauerzentrale)
- 12.2020, Standards in der Fleischindustrie erhöhen (online, Hans Böckler Stiftung)
- GOOD Meat, hersteller für In-Vitrofleisch
- 03.05.2024, Hodel, Renate; Rosenbaum, Harry, Fleisch aus der Petrischale (online, Schweizer Bauer)
- Albat, Daniela, 20.02.2019, Wie klimafreundlich ist Laborfleisch? (online, scinexx)
Arbeitsmaterialien zum Ausdrucken
Fleisch aus der Petrieschale - Infotext - Ethische und soziale Aspekte.pdf (101,9 KB)
Fleisch aus der Petrieschale - Infotext - Fleischindustrie und wirtschaftliche Aspekte.pdf (215,0 KB)
Fleisch aus der Petrieschale - Infotext - In-Vitro Fleisch Produzent.pdf (126,7 KB)
Fleisch aus der Petrieschale - Infotext - Ökologische Aspekte.pdf (185,7 KB)
Fleisch aus der Petrieschale - Powerpoint.pdf (1,4 MB)
